Lydia Auerswald

Ich kam am 7. Januar 2013 für das 5-Wochenprogramm in das 3E-Zentrum in Remshalden-Buoch. Hinter mir lagen eine schwere OP wegen Eierstockkrebs mit 3 Wochen Krankenhaushorror,  eine konventionelle onkologische Reha im Parksanatorium in Aulendorf und das großzügige Angebot, als Versuchskaninchen an der Studie Ago Ovar 17 teilzunehmen. In dieser Studie werden Paclitaxel, Carboplatin und Bevacizumab mit Paclitaxel, Carboplatin und Bevacizumab (kein Tippfehler!!) verglichen und die Standardtherapie beinhaltet ebenfalls Paclitaxel und Carboplatin. Lauter tolle sogenannte wissenschaftlich abgesicherte Therapieoptionen! Jetzt war klar, dass ich eine nicht-toxische Option benötigte. Denn vergiftet war ich ja schon genug … Der Empfang durch Frau Moritz war herzlich und wohltuend persönlich. Sie nahm sich Zeit, so dass schon schnell meine Bedenken zerstreut waren, ob ich weitere 5 Wochen Kasernierung (so hatte ich die vorherigen Autenthalte in Krankenhaus und Reha empfunden) ertragen kann. Das Haus ist sehr angenehm gestaltet, herrlicher Blick ringsrum, Ruhe, das Personal ist ausgesucht freundlich, alles atmet eine Atmosphäre von Akzeptanz und Entspannung. Kurz: ich fühlte mich willkommen. Wir waren eine feste Gruppe von 8 Menschen, im Verlauf der 5 Wochen kamen noch weitere dazu, sogar aus England und Israel.

Die Therapien wurden ausführlich erklärt, Fragen konnten immer gestellt werden. Zwischen den Anwendungen gab es ausreichend Freiraum, um sich mit den anderen Gästen auszutauschen oder auch für sich zu sein. Wie erholsam war es, sich nicht ständig rechtfertigen zu müssen, warum man keine Chemo macht, sondern sich darüber auszutauschen, wie man wohl zuhause die leckere Soße vom letzten Budwig-Menü hinkriegt … .
Super fand ich die Regelung, dass der Partner am Wochenende übernachten kann und dann nur das Essen bezahlt. Klar sind 9.700 Euro für einen Normalverdiener viel Geld, aber es war  j e d e n Euro wert. Diese Qualität beim Essen und beim Personal gibt es nicht einmal im 4-Sterne-Hotel. Und schließlich geht es ja nur ums Leben. Dass wir alle alles doppelt bezahlen, weil wir für unsere Krankenkassenbeiträge nur Giftkuren bekommen, dafür kann das 3E-Zentrum ja nix. Nur außerhalb unserer Gesundheitsmafia kann so eine Oase gedeihen. Ich bin dankbar, dass es diesen Ort gibt und ich die paar Euro in mich investiert habe. Nirgends hätte ich eine höhere Rendite bekommen, um mal den Banker in mir zu Wort kommen zu lassen. Natürlich ist es mit den 5 Wochen nicht getan, es ist eine Anleitung und eine beschützte Zeit und ein beschützter Raum, neue Sichtweisen zuzulassen, auszuprobieren und in sein Leben danach zu integrieren. Aber auch bei den Hausaufgaben danach wird man nicht allein gelassen, auf E-Mails bekommt man superschnell Antwort.

Fazit: Aus heutiger Sicht würde ich mich nicht mehr so schnell operieren lassen und würde zuerst, als allererste Therapie ins 3E-Zentrum gehen. Neulich hat ein Bekannter zu mir gesagt, dass es mutig von mir sei, keine Chemo zu machen. Ich antwortete ihm: Ich finde es ganz im Gegenteil extrem mutig, eine Chemo zu machen, nach allem, was ich gelesen haben, traue ich mich das nicht mehr! Es geht mir körperlich sehr gut, mental habe ich noch viel zu tun. Aber das geht eben nicht alles von heute auf morgen. Übrigens bei der letzten Kontrolle habe ich mal spaßeshalber meinen Tumor-Marker CA 125 messen lassen. Er ist von 1.608 auf 30 gefallen. (Werte unter 35 gelten als normal!)

Mit lieben Grüßen nach Buoch
Lydia Auerswald